Interview mit dem Bausachverständiger Dipl.-Ing. (FH) Architektur Norman-Marcel Dietz vom VPB Hildesheim

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Bausachverständiger Dipl.-Ing. (FH) Architektur Norman-Marcel Dietz vom Verband Privater Bauherren e.V. - Regionalbüro Hildesheim

Bausachverständiger Dipl.-Ing. (FH) Architektur Norman-Marcel Dietz vom Verband Privater Bauherren e.V. – Regionalbüro Hildesheim

Ein Interview mit dem Bausachverständiger Dipl.-Ing. (FH) Architektur Norman-Marcel Dietz vom Verband Privater Bauherren e.V. in Hildesheim (VPB Regionalbüro Hildesheim)

Seit wann gibt es den Verband Privater Bauherren e.V. in Deutschland und was war der Grund für die Entstehung?

Der Verband Privater Bauherren e.V. (kurz: VPB) wurde 1976 gegründet und feiert im kommenden Jahr sein 40- jähriges Jubiläum. Der VPB ist damals von Bauherren in Hamburg gegründet worden, die – genau wie viele andere Bauherren heutzutage – sehr große Schwierigkeiten mit Bauunternehmen hatten und sich daher den bautechnischen Sachverstand auf ihre Seite geholt haben. Der Verband ist somit auch die älteste bundesweit tätige Verbraucherschutzorganisation im Bauwesen.

Seit wann gibt es das Regionalbüro Hildesheim vom Verband Privater Bauherren e.V.?

Das Regionalbüro Hildesheim wird zum 1. Oktober 2015 zwei Jahre alt und betreut Bauherren im Umkreis von Hildesheim, Sarstedt, Algermissen, Hohenhameln, Peine, Alfeld, Bad Salzdetfurth und Bockenem.

Was genau macht eigentlich ein Bausachverständiger und welche Leistungen bieten Sie über Ihr Regionalbüro Hildesheim des Verband Privater Bauherren e.V. an?

Ein Bausachverständige im Verband Privater Bauherren e.V. berät vor allem seine Mitglieder bei bautechnischen Fragen zu ihren Bauvorhaben und hilft ihnen zusätzlich mit seinem eigenen Netzwerk aus firmenneutralen und unabhängigen Baufachleuten individuell weiter.

Wir bieten im Regionalbüro unterschiedliche Leistungs- und Beratungspakete an, z.B. helfen wir unseren Bauherren durch Baubegleitende Qualitätssicherung ihrer Baumaßnahmen, Bauvertrags- und Bauunterlagenprüfung, Verkehrswertermittlungen für Bestandsimmobilien, Beweissicherungen und Regulierung im Schadensfall etc. und natürlich durch individuelle Beratung weiter.

Werden Sie oft als „Buhmann“ von Bauunternehmen / -trägern angesehen, wenn man die Arbeit anderer kritisieren muss?

Das ist durchaus sehr unterschiedlich. In der Regel hoffen wir natürlich, erst einmal die Leistungen nicht rügen zu müssen.

Grundsätzlich akzeptieren uns Bauunternehmen als eine zusätzliche Qualitätskontrolle, die auch letztendlich Ihnen selbst hilft. In der Regel erbringen die Bauunternehmer nicht alle Leistungen selbst, sondern gliedern Leistungen an Nachunternehmer aus, wie z.B. Dachdecker-, Maler-, Trockenbau-, Estrich-, Elektroinstallationsarbeiten u.v.m. Wir überprüfen natürlich auch diese Leistungen und helfen somit indirekt auch den Bauunternehmern die bautechnisch zu erwartende Bauqualität /-ausführung zu erreichen.

Bei der Bauvertragsprüfung sind wir tatsächlich oftmals die „Buhmänner“, da die Vertragsunterlagen und Bestimmungen sehr oft stark zu Gunsten des Bauunternehmens und damit sehr verbraucherunfreundlich ausgelegt (u.a. bei Zahlungsplänen) werden. Wir versuchen entsprechend durch unsere Beratung den Bauherren auf etwaige Risiken und Probleme – aber auch auf ungültige Vertragsklauseln hinzuweisen, damit er erfolgreich gegensteuern kann.

Herr Dietz, warum ist es in der heutigen Zeit so wichtig einen Bausachverständigen beim Hausbau (Massivhaus oder Fertighaus) zu beauftragen?

Wir beobachten, dass seit dem Wegfall der Meisterpflicht in den Betrieben, die Bauqualität leider teilweise stark abgenommen hat. Gleichzeitig ist aber immer mehr bautechnisches, -konstruktives und auch -physikalisches Knowhow notwendig, um ein Haus fachgerecht im Sinne der anerkannten Regeln der Technik zu erstellen.

Daher ist es wichtig, dass der Bauherr kontinuierlich die Ausführungsarbeiten durch einen Experten überprüfen lässt. Für den Laien nicht erkennbare oder auch versteckte Baumängel können laut einer Umfrage innerhalb unsere Regionalbüros zu Bauschäden mit einem Gesamtwert von durchschnittlich bis zu 25.000,- EUR führen.

Welche Bauphasen können Sie beim Hausbau als Bausachverständiger begleiten?

Wir bieten grundsätzlich je nach Gebäude- und Ausstattungsart Begehungen zu rund 6 bis 7 Bauabschnitten zusätzlich zu der Bauvorabnahme und späteren Abnahmebegleitung. Die einzelnen Bauabschnitte sind unter anderem z.B. in die Überprüfung der Sohlplatte mit Bewehrung / Blitzschutz, Rohbau Erdgeschoss bis Dachgeschoss, Dacheindeckung mit -konstruktion, Fassade mit Fenster- und Türanlagen, Innenausbau mit Luftdichtigkeitsebene und Fußbodenheizung aufgeteilt. Nach jedem Abschnitt erhält der Bauherr ein entsprechendes Begehungsprotokoll mit Feststellungen zur Kenntnisnahme und Weitergabe an seinen Bauunternehmer.

Was sind aus Ihrer Erfahrung die wesentlichen Mängel bei einem Hausbau?

Klassiker sind immer wieder fehlende oder nicht fachgerecht hergestellte Abdichtungen in jeder Form. Weiterhin finden wir immer nicht fachgerecht ausgeführte Luftdichtigkeitsebenen an Türen, Fenstern und Decken, z.B. werden Klebebänder von Anschlussfolien auf staubigen Untergründen oder direkt auf unverputzten Hochlochziegeln verklebt. Aber auch im Gewerk Dachdeckung finden wir immer häufig nicht fachgerecht hergestellte Traufanschlüsse.

Dennoch muss man hierzu sagen, dass jedes Bauvorhaben einzeln für sich betrachtet werden muss. Die Anzahl und die Art der Ausführungsfehler können stark unterschiedlich sein. Und eine Tatsache haben wir ebenfalls feststellen müssen, eine mangelfreie Bauabnahme haben wir nur äußerst selten.

Was passiert, wenn ein Bauunternehmer Insolvenz anmeldet, bevor eine Mängelbeseitigung stattgefunden hat? Bleibt der Bauherr dann auf den Kosten sitzen?

In einem solchen Worst Case- Szenario steigt die Wahrscheinlichkeit stark an, dass der Bauherr unter Umständen als letztes oder sogar gar nicht aus der Insolvenzmaße des Bauunternehmens bedient wird. Eine Insolvenz wirkt sich zum Schluss der Baumaßnahme natürlich weniger gravierend aus als wenn die Insolvenz bereits während der Bauweise eintritt.

Der Bauherr kann sich aber durch Sicherheiten, wie z.B. Bürgschaften des Bauunternehmers, Zahlungseinbehalte bis Leistungserfüllung, oder auch Versicherungen, wie z.B. eine Bauleistungs- und/oder Gewährleistungsversicherung, individuell absichern.

Ist es sinnvoll zur Bauabnahme einen Sachverständigen zu beauftragen?

Wir kombinieren grundsätzlich aus unserer Erfahrung die Abnahmebegleitung mit einer Vorabnahme.

Wir prüfen bei der Vorabnahme, ob z.B. alle vorher gerügten Ausführungsfehler beseitigt worden, neue Ausführungsfehler dazu gekommen und Restarbeiten noch offen sind. Mit der Erstellung eines Vorabnahmeprotokolls wird die spätere Durchführung der Abnahme wesentlich für beide Seiten vereinfacht, da der Bauunternehmer i.d.R. Beanstandungen im Vorfeld abarbeitet und zu bestimmten Punkten entsprechend Stellung nehmen kann.

Manchmal stehen auch noch finanzielle Forderungen von beiden Seiten im Raum, bei denen wir dann helfen, einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Was macht Ihnen Herr Dietz Spaß an Ihrem Job?

Ich freue mich, unseren Bauherren auf ihrem Weg ins Eigenheim helfen zu können.

Herr Dietz ich danke Ihnen für das informative Gespräch und hoffe, dass wir mit diesen Informationen auch andere Bauherren für Ihre Leistung als Bausachverständiger überzeugen können.

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Markos Wunram - Selbständiger IT-Berater, Internet Marketer und Bauherr des 3 Giebel KFW70 Massivhauses im Landkreis Hildesheim